Erklärung des BBZ Schleswig zum 23. Mai 2019

Die Würde des Menschen ist unantastbar – dazu leisten wir täglich unseren Beitrag

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet – die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert. Im Grundgesetz sind Lehren aus dem Scheitern der Weimarer Verfassung, der Verfassung der ersten deutschen Demokratie, und aus der Schreckensherrschaft der nationalsozialistischen Zeit gezogen. Daher findet sich die wichtigste Bestimmung des Grundgesetzes gleich zu Beginn in Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Jeder Mensch – ungeachtet seines Geschlechts, seiner Religion, seiner Hautfarbe, seiner Nationalität oder seiner sexuellen Orientierung –   hat danach den gleichen Wert, verdient Respekt und hat Anspruch darauf, sicher, ohne Angst vor Gewalt und in Freiheit zu leben. Das ist nach dem Grundgesetz die wichtigste Aufgabe des demokratischen Staates, dafür zu sorgen, dass alle Menschen in Deutschland, nicht nur die Deutschen, in Würde und Freiheit leben können. 

Die Freiheit ist in der Demokratie aber nicht grenzenlos. Sie findet ihre Grenzen in der Würde und Freiheit der anderen. Werden diese angegriffen, z.B. durch Beleidigungen, Bedrohungen oder körperlich oder sexuelle Übergriffe, wird damit auch die Demokratie angegriffen. Carlo Schmid, einer der maßgeblichen „Väter des Grundgesetzes“, hat daraus die Konsequenzen gezogen und betont: „Man muss auch den Mut zur Intoleranz gegenüber denen aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie aufzuheben.“

Auch wir als Schule haben eine Art Verfassung, unser Leitbild und Schulprogramm. Und darin bekennen wir uns ganz ähnlich wie das Grundgesetz zu einem „wertschätzenden und demokratiegeleiteten Miteinander. Wir berücksichtigen die Vielfalt aller“.  Bei uns herrscht eine große Vielfalt, unsere 3.500 Schülerinnen und Schüler gehören allen Schichten der Gesellschaft an, stammen aus zahlreichen Ländern Europas, Afrikas und Asiens, sprechen viele Sprachen und gehören verschiedenen Religionen und Kulturen an. Allen, die bei uns zur Schule gehen und die das Ziel eint, sich durch Bildung Perspektiven zu erarbeiten, begegnen wir in unserer täglichen Arbeit mit Respekt, Verständnis und Offenheit. 

Wir sind auch „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Als solche sind wir im Sinne Carlo Schmids intolerant gegenüber jeder Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt. Gegen derartige Übergriffe gehen wir konsequent mit allen uns zur Verfügung stehenden pädagogischen und rechtlichen Möglichkeiten vor. Wir lehnen politischen Extremismus ab, der die Demokratie in Frage stellt, sei es in einem populistischen Gewand, sei es von links oder rechts oder sei es aus religiösen Motiven. Denn: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und nur die Demokratie garantiert, dass Menschen sicher, in Würde und Freiheit leben können. Dazu leisten wir als Schule unseren Beitrag – jeden Tag.

Kirsten Lemke

Schulleiterin und Geschäftsführerin des BBZ Schleswig